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Trustgame

1999, im Herzen des Ruhrpotts. Fünf Jungs, ein Ziel: facettenreicher Alternative-Rock. Zugegeben, es gibt originellere Entstehungsgeschichten. Aber Trustgame wissen, was auch ihre Fans längst erkannt haben: echte Musiker brauchen keinen hippen Background. Sie brauchen Talent, Leidenschaft und Kampfgeist. Treffender lässt sich der Charakter des Duisburger Quintetts ?und seiner Songs dann auch schwer beschreiben. Schnörkellos und auf den Punkt, aber niemals eindimensional oder prätentiös. Im Gegenteil: Trustgame rocken wie selbstverständlich auf dem schmalen Grad zwischen Emotion und Durchsetzungsvermögen. Und Thorstens charakteristische Stimme leistet ihren ganz eigenen Beitrag dazu, dieses Spannungsfeld auch zur Gänze auszuloten. Rockstar-Klischees werden hier nicht bedient. Na ja, zumindest nicht absichtlich?. Wenn einen nachts um zwei die polnische Polizei der ?Entführung Minderjähriger? verdächtigt, weil ein 15jähriger weiblicher Fan die Band unbedingt noch zur Aftershow-Party in den Nachbarort begleiten will, schreibt das (Tour)Leben bisweilen doch die interessantesten Geschichten?. Lektion Nummer 2: auch Erfolgsstories wie 1000 im Selbstvertrieb verkaufte Debüt-EPs schützen nicht vor eigenwilligen Live-Erfahrungen. Schon irgendwie seltsam, wie viele Welten zwischen einem Auftritt im britischen Mansfield vor sage und schreibe vier zahlenden Gästen und südkoreanischen Festival-Gigs vor 3000 kreischenden Mädels passen. Entpuppt sich dann noch ein angeblich rockendes Open-Air-Festival als örtliches Sommerfest einer niederbayerischen Sparkasse - Publikumsmehrheit konsternierte Rentner und hyperaktive Kleinkinder - dann kann einen so leicht nichts mehr irritieren.Zumal eine passionierte Live-Band wie Trustgame Erlebnisse dieser Art schlicht als willkommene Herausforderung betrachtet. Nichtsdestotrotz: dörfliche Zeltfeste dürften nach Erscheinen ihres Debüt-Albums im Mai 2008 (Limited Access Records / Motor Digital) wohl rar werden. Zu zahlreich die Nachfragen der Fans, zu groß das Interesse der Musikpresse?. Ach, ein konkretes Beispiel sei erlaubt: Wer glaubt, dass sich treibende Gitarren, Akkordeon-Einsätze und Mariachi-Trompeten nicht unter einen akustischen Hut bringen ließen, wird sich durch ?Good-bye Harbour? definitiv eines Besseren belehren lassen.Denn ungeachtet aller kleinkarierten Szene-Dogmen - Trustgame stehen vor allem für eines: die perfekte Schnittstelle zwischen Melodie und Dynamik; zwischen Gefühl und Bestimmtheit. Und das auf mehr als eindringliche Art und Weise.
Karen Radtke

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