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Muff Potter

RockRockRock

Münster

„Die besten Lieder sind gesungen, die besten Bücher sind geschrieben,
und so sehr wie Romeo und Julia wird sich niemand je mehr lieben. Die Mittel schaffen erst den Zweck wie 1000 Liebeslieder zeigen, und wo die Not zur Tugend wird verliebt man sich ins Schweigen. Und dann der eine Moment – glücklich ist wer ihn erkennt.“ Muff Potter sind rastlose Geister, doch die Wut ist ihnen treu geblieben: Das neue, sechste Album klingt angriffslustig und frisch. Dummheit, Plumpheit und Banalität – genug Reibungsfläche für Musik und Texte, genug Grund, sich aus dem bleiernen Gefühl von Sinnlosigkeit zu erheben. Um der ständig drohenden Verbitterung Einhalt zu gebieten, sind Muff Potter immer auf der Suche nach dem einen Moment, der die Kraft hat, die Tristesse des Alltags zu kompensieren. Der Kampfgeist vor dem zu absolvierenden Idiotentest, die unermüdliche Energie des Spargeltarzans im Fitnesscenter, der erfolgreiche Kampf gegen die eigene Schreibblockade, der aufrichtige Glaube an die Ex-Freundin - Inspiration lauert überall. Das große Ganze ist in diesen kleinen Geschichten stets allgegenwärtig. Persönlich, politisch, und alles dazwischen. Weil Reinfressen keine Option ist. Diese Ambivalenz findet sich auch im Sound der Platte wieder: ausgefeilte Kompositionen treffen auf reduzierte Arrangements, und umgekehrt. Meist hört man nur die Bandbesetzung: Schlagzeug, Bass, 2 Gitarren und Gesang. Extras werden wenn, dann sehr gezielt eingesetzt. Trotzdem sind mit Jana Pallaske, Frank Radermacher, Christopher „Krite“ Uhe und Ingo Knollmann wieder ein paar alte und neue Bekannte unter den Gästen. Und wie der Vorgänger wurde die Platte gemeinsam von der Band und ihrem Freund Nikolai Potthoff produziert, und von Jem gemischt. “Steady Fremdkörper“ schlägt die Brücke zwischen nervöser Rastlosigkeit und zähem Aufraffen, Zorn und Zweifel, Fühlen und Verstehen, Spontanität und Präzisionsarbeit. Diese scheinbaren Widersprüche werden nicht glattgebügelt, sondern offen ausgelebt und nebeneinandergestellt. Und so verdeutlicht das Album zwei Dinge, die hierzulande allzuoft vergessen werden: Intelligenz muss nicht dröge daherkommen - und Wut kann durchaus Spaß machen.

„Es gibt kein gutes Leben ohne Blasphemie.“

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