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Ohgottogottogott,

 

jetzt ist ja schon wieder 'n halbes Jahr rum, das Eier mit Speck 2008 längst Geschichte und ich hab immer noch keinen Bericht geschrieben. Dat gibt bestimmt Ärger mit dem Typen aus Gladbach, der im Gästebuch immer danach fragt. Aber wat willste machen, da steckste nit drin. Also, jetzt mit dem Abstand eines halben Jahres der Versuch einer möglichst genauen und umfassenden Berichterstattung des Eier mit Speck 2008.

Der Aufbau
Fangen wir mal ganz innovativ mit dem Aufbau, also ganz vorne an. Soweit ich mich erinnern kann, hatten wir in unseren Gefilden einen relativ bescheidenen Sommer, wodurch die Festivalwiese – sagen wir mal – leicht angeschlagen war. Beim Aufbau hatten wir uns deswegen ein „Wiese befahren Verbot“ auferlegt, was zwar eine ziemliche Schlepperei mit sich brachte, aber das satte Grün tatsächlich schonte. Montags begannen wir also, wie gewohnt in feinstem Niederrheinischen Nieselregen, mit dem Aufbau der Absperrungen und all dem anderen Firlefanz, den man beim Festival später gar nicht mehr sieht. Glücklicherweise hatten wir uns für den Montag auch schon die Künstlercontainer bestellt, so dass unsere in diesem Jahr zahlreichen freiwilligen Aufbauhelfer sich wenigstens gelegentlich unterstellen konnten.

Eine grandiose Erleichterung und zugleich extrem Stimmbandschonend waren die Funkgeräte, die Saori und Jürgen eigens fürs Festival besorgt hatten. Obendrein sieht das natürlich auch super Chefmäßig aus und macht richtig was her im Schritt. Mit den geilen Funken konnten wir dann so wichtige Sachen wie „Wann gibt’s denn eigentlich was zu essen?“ oder „Ich hab kein Bier mehr!“ über mehrere hundert Meter allen Beteiligten kundtun.

Grilltechnisch hatten wir ebenso extrem aufgerüstet. Die „Grillaffäre“ des Vorjahrs, bei der unser Leih-Elektro-Grill während einer übermotivierten Bierwürze Feuer fing und dadurch seinen rechten Griff für immer an die Flammen verlor, hatte uns sensibilisiert. Wir hatten uns im Vorfeld der Veranstaltung dazu entschieden, einen hypermodernen Schwenkgrill auf Kosten der Firma zu besorgen und man kann guten Gewissens behaupten, dass diese 14,90 Euro wirklich gut angelegt waren. Erstmalig in der Historie des Eier mit Speck waren die Fleischspezialitäten für die Bühnenbauer pünktlich, und nicht erst zwei Stunden nach deren Abreise, fertig gegart.

Den Cateringbereich zierte erstmals ein riesengroßes kanadisches Tipi, das uns netterweise vom ortsansässigen Outdoor und Trekking Händler Camping Hamanns zur Verfügung gestellt wurde. Sieht auch ganz schön verwegen aus, wenn der Chef in 6 Metern Höhe an einen „einzigen“ Baumpfahl angelehnt den zweiten Stamm aufstellen will. Schwer in Worten zu erklären, aber glaubt's mir: Alle die unten standen hatten Angst!

Der WDR hatte sich zu einer Live-Berichterstattung über das Festival angemeldet und machte daher am Mittwoch eine Besichtigung des Geländes. Eigentlich hätte man diesen Auftritt schon verfilmen müssen, denn die Herren hatten sich eigens für die Begehung so richtig in Schale geworfen und die gepflegten Sommerschühchen angezogen und standen dementsprechend ängstlich vor der durchweichten Wiese. Nach kurzer Führung über das gesamte Festivalgelände, die die Herren  mit der Eleganz eines Flamingos, der durchs Wasser watet, hinter sich brachten, war dann aber alles geregelt und für den Freitag in der Aktuellen Stunde eine fünfminütige Live Schaltung geplant. Noch kurz allen die schlammigen Hände geschüttelt und der Tag war für die Waschmaschinen der Herren gerettet.

Das Schönste am gesamten Aufbau ist eigentlich immer der Donnerstag. Das Gelände nimmt nach und nach Gestalt an, die ersten Camper treffen ein und mitten in der Nacht machen die Lichttechniker von Rockline ihren Lichtcheck. Das sind die Momente, bei denen man 'ne Gänsehaut bekommt. Nicht alleine, weil's so schön aussieht, sondern weil man weiß, dass es am nächsten Morgen losgeht und die monatelange Theorie endlich ein Ende hat.

Alles in Allem können wir stolz verkünden, dass der Aufbau aufgrund der vielen netten Leute, die uns geholfen haben, bisher der entspannteste aller drei Festivaljahre war. Wir scheinen also auch im hohen Alter noch in der Lage zu sein, aus dem ein oder anderen Fehler der letzten Jahre zu lernen.

Der Freitag
Nach einem entspannten Aufbau braucht man dann natürlich so etwas wie einen „Wachmacher“. In nur drei Jahren hat sich dafür eine schöne Tradition entwickelt, die wir alle sehr lieb gewonnen haben. Das muss man sich ungefähr so vorstellen: Unweit des Festivalgeländes stecken drei Mitarbeiter eines Lebensmittelgroßhändlers die Köpfe zusammen und hecken einen perfiden Plan aus, der uns jedes Jahr zur Weißglut treibt. Der Plan ist, so kurz wie möglich vor Einlassbeginn die gesamten Essenswaren zu liefern und das mit einem frontgetriebenen Laster. Und auf welcher Achse lastet das gesamte Gewicht? Richtig! Auf der HINTEREN! Das Ergebnis ist verständlicherweise jedes Jahr das selbe: Die Herren bratzen mit Vollgas auf die Wiese und fahren sich nach ca. 15 Metern fest. Danach heißt es in Teil 2 des Plans: „Die Reifen durchdrehen lassen, bis die Kupplung qualmt.“  Holdriho, was für ein Fest! Während also vorne die ersten Leute auf den Einlass warten, wird hinten das Gefährt, das nun mittlerweile ca. einen halben Meter tief in der Wiese steckt, mithilfe von Radladern oder was gerade so an fahrbaren Gerätschaften rumsteht aus dem Sumpf gezogen. Danach wird der gesamte Inhalt dann per Hand in die Kühlwagen getragen und alle haben 'nen dicken Hals. Das ist für uns das Zeichen, dass es endlich losgehen kann.

 

Die Bands
Opener des Festivals 2008 waren die knackig jungen Beat!Beat!Beat!, die den Bandcontest der Stadt Viersen und somit auch den Opener Slot auf dem Eier mit Speck gewonnen hatten. Was die Jungs, allesamt erst 16 Jahre alt, an Abgebrühtheit mitbrachten, war schon aller Ehren wert und wurde mit einem sehr gut gefüllten Festivalgelände belohnt.

Weiter ging's mit einer weiteren Viersener Band, die sich in den letzten Jahren ganz an die Spitze der hiesigen Live-Kapellen gespielt hat. Mit rotzfrechem Ska-Punk begeisterten die Jungs von Dawsons Crack die Zuschauer und luden zum ersten Crowdsurfen des Festivals ein.

Die markante Stimme von Sänger Thorsten Schwesinger ist sicherlich das Aushängeschild der Duisburger Jungs von Trustgame. Gutes Songwriting und eine saubere Rockshow taten das Ihrige, um die Leute vor der Bühne in ihren Bann zu ziehen.

Auch der dritte Act am Eröffnungstag stammte ganz aus der Nähe, brachte allerdings schon mehrere Jahrzehnte Bühnenerfahrung mit. Dear Wolf aus Krefeld wurde die Ehre zuteil, während der Live-Übertragung des WDR auf der Bühne zu stehen und den Hintergrundsound zu den Interviews zu liefern. Den Bericht kann man übrigens HIER verfolgen.

Das erste dicke Ausrufezeichen des Abends kam aus dem schönen Mannheim angereist. My Baby Wants To Eat Your Pussy haben zwar keinen Festivalplakat-tauglichen Namen (der Länge wegen), dafür aber eine sensationelle Bühnenshow und einen der charismatischsten Frontmänner, den ich in letzter Zeit gesehen habe. Erstaunen beschreibt wohl am Besten, was die Festivalbesucher empfanden, als die sicherlich nicht gerade mainstreamigen Klänge und ausgefeilten Stücke zum ersten Mal die Ohren der Niederrheinischen Musikszene kreuzten. Dazu noch ein engagierter Fanclub, der die Band aus Mannheim nach vorne treibt und mit coolen Aktionen für Aufsehen sorgt: Fertig ist die erste dicke Überraschung des Festivals.

Der ruhigste Hauptact in unserer Festivalgeschichte stand am Freitagabend auf dem Plan. Keith Caputo bewegt sich in seinem Soloprojekt auf völlig anderem Terrain als mit Life Of Agony. Hier wird viel seltener der Hammer ausgepackt, Gefühl und Melancholie prägen den Sound des kleinen Mannes mit der großen Stimme. Ein sehr sympathischer Auftritt vor und auch hinter der Bühne und ein - für ein Rock Open Air - sehr aufmerksames Publikum hinterließ eine angenehme, ruhige und relaxte Stimmung bei allen Beteiligten.

Zum Abschluss gab's dann noch was auf die Zwölf. Die Custard Pies aus Münster beschlossen den ersten Festivaltag mit ihren Interpretationen von Led Zeppelin. Immer wieder erstaunlich, wie nah Sänger Pascal Cherouny am Original ist. Nicht außer Acht zu lassen ist dabei die Tatsache, dass die Band im Gegensatz zum Vorbild nur aus drei Leuten besteht und dennoch den Sound des Originals nahezu perfekt hin bekommt.

Backstage gab es am Freitag keine größeren, erwähnenswerten Zwischenfälle, alles lief entspannt, das Wetter war phänomenal gut, so konnte es weiter gehen. Ein bisschen zu denken gab uns allerdings die Beschaffenheit der Wiese. Diese war natürlich nur oberflächlich trocken und es gab einige Stellen, an denen man wie auf einem Wattebausch hin und her wippen konnte.

Der Samstag.
Bestes Open Air Wetter wartete auch am Samstagmorgen auf uns. Es macht einfach wesentlich mehr Spaß, seine Eier mit Speck in der Sonne auszulöffeln, als im strömenden Regen. Im Biergarten sorgte The Haarwald Bass O´NoWitz Orchestra für entspannte Töne zum Frühstück, auch wenn es aufgrund der langen Aufbaupause der 3 in 1 Kapelle nur für wenige Songs reichte.

Eine ganz feine Sache erzählte mir am Samstagmorgen ein Pärchen aus Bochum, die zum ersten Mal auf dem Festival waren. Sie waren auf Empfehlung der Mutter(!), die schon seit dem ersten Jahr zu unseren Gästen gehört, angereist und wirklich begeistert vom Festival UND von den netten Leuten in der Stadt. Man hat hier ja leider manchmal das Gefühl, dass so ein Festival völlig an den Einwohnern Viersens vorbei geht. Dass dem offensichtlich aber überhaupt nicht so ist, zeigte sich, als die Beiden beim Grillfleisch-Kauf von der Verkäuferin angesprochen wurden, ob sie auf dem Festival seien und als sie diese Frage mit ja beantworteten, eine Kühltasche fürs Fleisch dazu geschenkt bekamen. Also ich muss ehrlich sagen, ich war baff. Dass diese Aktion an der Fleischtheke unseres Sponsors Kaiser's geschah, freut uns um so mehr und zeigt, dass hier doch noch nicht alles verloren ist...

 

Die Bands
Ein großer Vorteil des, vom gerade genannten Sponsor zur Verfügung gestellten, kostenlosen Frühstücks ist, dass die erste Band nicht vor leeren Rängen mit ihrem Auftritt beginnen muss. Da macht es auch nichts, dass der ein oder andere noch mit Pappteller bewaffnet vor der Bühne steht. Die Danger! Beuys aus Rheinberg verzückten mit ihrem Dance-Core die Massen und sorgten für allgemeine Tanzstimmung am frühen Mittag. Coole Sache, gerne in den nächsten Jahren nochmal.

Chief Rockhead aus Aachen machten munter da weiter, wo die Danger! Beuys aufgehört hatten und ließen die müden Knochen der zu einem großen Teil schon am Donnerstag angereisten Zuschauer weiter das Tanzbein zu Rock'n'Roll Rhythmen schwingen.

Unsere einzige englische Band in diesem Festivaljahr war sichtlich überrascht, wie viele Leute sich vor der Bühne versammelten, um die Old School Metal Show der Herren von Crimes Of Passion aus Sheffield zu bestaunen. Zum Dank gab's massenweise ins Publikum geworfene EPs der spielfreudigen Engländer.

Das erste große Highlight des Samstags war sicherlich die Münsteraner Kapelle Petra. Obwohl nicht allzu vielen Leuten bekannt, sprach es sich auf dem Zeltplatz wie ein Lauffeuer herum, dass dort auf dem Festivalgelände gerade etwas Ungewöhnliches abging. Die unglaublich sympathische und witzige Show des Trios nebst Bühnenskulptur Gazelle brachte nun vollends die Bude zum Kochen. Scherenpercussion, Hosenschlitzsolo, alles was das Handwerkerherz begehrt!!! Alt und Jung lagen sich, mit Freudentränen in den Augen, in den Armen oder zumindest fast. Wie auch immer, grandiose Unterhaltung von überaus sympathischen und netten Leuten. Highlight der Show sicherlich das Lied von der Gewitter Oma und das reißerische Funny van Dannen Cover Spielsüchtig.

Der Lampenpimmel
Danach musste natürlich wieder das Tanzbein geschwungen werden. Die Ska Formation Blue Babies aus Freiburg begeisterte hier mit strahlend-weißen Anzügen und erstklassigen Musikern, die einen Rundumschlag über die Geschichte der Popmusik im Ska Gewand präsentierte. Dass es vor dem Eier mit Speck Festival in der Stadt Viersen eigentlich nur an Eiern fehlte, stellten sie bei einem Besuch in unserer Innenstadt fest. So findet ihr dort ein Bild des von ihnen so nett beschriebenen „Lampenpimmels“. KlickKlick  Dass das Eier mit Speck auch ein wahrer Strassenfeger ist, könnt ihr ebenso auf diesen Bildern erkennen.

Für die dann folgende Kapelle möchte ich mal den Udo von Rocktimes.de zitieren, da ich mich zu der Zeit nicht auf dem Festivalgelände befand: „Nachdem sich das Publikum mit Ska eingegroovt hatte, hatten die Trierer Polka-Veteranen von The Shanes leichtes Spiel. Das Septett bot eine Mischung aus Leningrad Cowboys und den Pogues, was gut an kam. Das Wetter spielte auch (noch) mit und so stand der großen Polkaparty am Hohen Busch nichts mehr im Wege. Besonders beeindruckend war das flinke Violinenspiel von Sebba Nogood, der mit seiner Geige mächtig Stimmung machte. Der Stil der Band (selbsternannt: Hard Polka) erwies sich als absolut festivalgeeignet und viel Applaus des mittlerweile immer zahlreicher werdenden Publikums war der verdiente Lohn.“ [Text: Udo Gröbbels]

So, jetzt wieder ich...
Proppenvoll wurde der Festivalplatz dann zum Auftritt von Götz Widmann. Es ist immer eine schwere Entscheidung, auf einem Open Air Festival einen Künstler auftreten zu lassen, der alleine mit Gitarre und intelligent gemachten Texten die Leute unterhalten soll. Dass diese Angst völlig unbegründet war, konnte man schon während des Soundchecks feststellen. Die Umbaupause des guten Götz dauerte gefühlte dreiundzwanzig Sekunden und schon konnte es losgehen. Da hatte man gerade noch Zeit, den Mann anzusagen, so schnell ging das alles. Danach gabs einen Klassiker nach dem anderen vor die rockgestressten Ohren, der gute Götzi räumte wirklich volles Programm ab und riss die Leute mit. Mitten im Auftritt begann es zu regnen, doch das störte wirklich niemanden auf dem gesamten Gelände.
Einen kurzen Mecker muss ich allerdings schon noch ablassen. Götz hatte mir im Vorfeld versprochen, dass die fetten Gewitterwolken, immer wenn er auf der Bühne stehen würde, vorbeiziehen und es definitiv nicht regnen würde. Dafür haben wir noch einen gut, dat sach ich dir, Götzi Mausi!!!

In der Umbaupause der dann folgenden 5Bugs aus Berlin, fing der Himmel dann an, sich völlig auszukotzen. Ein Gewitter der feinsten Sorte, 'ne Unwetterwarnung für ganz NRW und das Festivalgelände glich innerhalb einer halben Stunde einer großen Schlammcatch-Arena. Doch pünktlich zu Beginn des 5 Bugs Gigs nahm der Regen ab und mit zunehmender Spieldauer verschwand er ganz. Dennoch tauften die 5 Berliner das Festival kurzerhand in „Feiern im Dreck Festival“ um, formierten eine Matsch Wall of Death und zogen die Massen wieder zurück aufs Festivalgelände. An dieser Stelle sei gerne mal erwähnt, dass wir wirklich mächtig viel Schwein gehabt haben, dass wir die Veranstaltung nicht unterbrechen mussten, denn nur 20 Kilometer weiter im Kreis Heinsberg war tatsächlich Land unter!

Die Prog Rocker von Riverside aus Polen waren als nächste an der Reihe. Es wurden zwar an einigen Stellen Stimmen laut, dass diese Art von Musik nicht ganz ins Programm gepasst hätte, stellt aber für uns genau das Gegenteil dar. Wir wollen kein glattgebügeltes Fest, bei dem man sich nur mit der Musik beschäftigt, die man ohnehin hört, sondern wir wollen vor allem zeigen, dass man musikalisch gerne mal über den Tellerrand hinaus schauen kann. Für die einen war es der Höhepunkt des ganzen Festivals und für die anderen eine fehl platzierte Band. Musikalisch jedenfalls boten die Jungs aus Warschau eine absolut erstligareife Leistung in Sachen Progrock.

Darauf folgte der heiß ersehnte Gig von Clawfinger, die allerdings zunächst mal einen extrem langen Soundcheck voraus schickten, nach dem der Sound allerdings immer noch nicht stimmte und die ersten beiden Stücke des - durch die lange Umbaupause -  ohnehin schon kurzen Sets der Soundanpassung zum Opfer fielen. Danach allerdings gab's mächtig was auf das Rockerherz. Schade eigentlich nur, dass die Mannen um Zakk Tell The Truth ausließen, was immer zu meinen absoluten Favoriten der Truppe aus Schweden gehört hatte. Dennoch, die Stimmung war bestens, die Band gut aufgelegt und alle feierten eine herrliche Party.

Die ging dann auch Backstage und auf den Campingplätzen munter weiter, alle waren froh, dass das Unwetter sich nicht am Hohen Busch hatte blicken lassen. Darauf gab's hier und da erstmal 'n Bierchen.

Durch leichte Kommunikationsprobleme in unseren Reihen (unsere beiden eingeplanten Fahrer bekamen beide ein OK zum Biertrinken) gab es am Ende des Abends weder Fahrer noch Fahrzeug, um die bierseeligen Schweden zum Hotel zu bringen. Aber das kann einen Niederrheiner doch nicht erschüttern. Da gerade kein Fahrbereiter Trecker zur Hand war, mussten Schlagzeuger und Sänger halt mit 'nem zweitürigen Opel Corsa nach Hause gebracht werden. Wirklich schade für Zakk Tell, der ja nun mal bekanntermaßen gute zwei Meter misst und dementsprechend die Knie bis an die Nase anwinkeln musste, um auf dem Rücksitz des komfortablen V.I.P Fahrzeugs zu Platz und die Fahrt in dieser embrionalen Haltung in Angriff zu nehmen.

Wieder zurück, machten wir uns erst einmal ein Bild vom nun leeren Festivalgelände. Der anderthalbstündige Regenguss hatte das komplette Areal in eine Matsch-Arena verwandelt und wir mussten uns für den Sonntag dringend etwas einfallen lassen, um die Verletzungsgefahr zu minimieren.

Der Sonntag
Heuallergie vs Knochenbrüche
Schlammig war's am Sonntagmorgen, sehr schlammig. Unbegehbar würden Pessimisten sagen. Doch in unseren Reihen befand sich ja glücklicherweise die geniale Kaffeebuud AG aus Süchteln, die mit ihren diversen Gerätschaften und extrem guten Kontakten zur Süchtelner Landwirtschaftsszene die Rettung für das Schlammfeld parat hatten. Flugs nen Anhänger mit 2 Ballen Heu besorgt und diese fein auf dem gesamten Feld verteilt und schon waren wir bereit für Tag 3 des Jahres 2008. Für Allergiker sicherlich ein Albtraum, aber eine wirksame Lösung, die Besucher vor schlimmeren Verletzungen zu bewahren.

 

Die Bands
Tag drei startete  mit Engo aus Holland, die die Tradition der holländischen Bands auf unserem Festival fortsetzten. Ihre Vorgänger von Leaf waren im Frühjahr so richtig durchgestartet und hatten sich wochenlang unter den Top 5 der niederländischen Charts gehalten und auch auf deutschen Radiostationen genügend Airplay bekommen. Dies wird für Engo sicherlich nicht so leicht, da ihre Musik nicht ganz so mainstreamig daherkommt und mit vielen musikalischen Tüfteleien versetzt ist. Aber für unser Fest war es genau das Richtige zum Auftakt am Sonntag.

Phönix Rising aus Mönchengladbach hatten die schwere Aufgabe die Frühstücker auf dem Feld zu behalten und womöglich noch weiter Besucher aufs Gelände zu spielen, was ihnen auch bestens gelang. Old School Hardrock mit den dazugehörigen Miezen, alles was das Rockerherz braucht.

Seedcake aus Göttingen taten mit ihren Placebo-ähnlichen Sound das Ihrige dazu, obwohl man den Jungs eine längere Konzertpause leider anhören konnte, da hakte es doch an der ein oder anderen Stelle.

Danach war es Beatplanet aus Berlin vorbehalten, das Publikum wieder in Tanzlaune zu bringen und auf den insgesamt doch sehr tanzbaren Abschluss des Festivals vorzubereiten. Saubere Beatmucke mit deutschen Texten sorgte für den richtigen Schwoof am Sonntagmittag.  

Was dann kam, haute beinahe jeden vom Hocker, weil es so völlig unerwartet kam. Großstadtgeflüster rissen der Menge aber mal so richtig den Arsch auf und spielten den Platz in Windeseile voll. Eine tolle Show mit viel Kontakt zum Publikum und extrem eingängiger, tanzbarer Musik ließ viele mit offenem Mund dastehen und später am Merchstand das aktuelle Album kaufen.

Raggabund aus München mit den Brüdern Don Caramelo und El Criminal zogen die Tanzlaune weiter an und begeisterten mit coolen Riddims und feinsten Beatboxeinlagen.

Der letztjährige Auftritt der Sondaschule hatte uns dermaßen begeistert, dass wir unser eigenes ungeschriebenes Gesetz, keine Band an zwei aufeinander folgenden Jahren spielen zu lassen, sehr gerne brachen. Waren sie im Vorjahr noch am Samstagnachmittag aufgetreten, so hatten wir ihnen diese Jahr ein schnuckeliges Plätzchen als vorletzte Band des gesamten Festivals reserviert. Costa Cannabis und Co brannten ihr Gute Laune Feuerwerk ab und verwandelten den gesamten Platz in eine ärmchenschwingende Masse. Schade, dass Chemokeule nich dabei war, aber der hatte schon seit langem seinen Saufurlaub auf Malle geplant und war somit unabkömmlich...

Der Headliner am Sonntag und Abschluss des gesamten Festivals war für mich zugleich auch das überraschendste und Geilste am ganzen Festival. Der Gefahr bewusst, dass Knorkator hier am Niederrhein lange nicht so bekannt sind wie im Berliner Raum, hatten wir uns dennoch entschieden, den Headlinerplatz an diese geniale Truppe zu vergeben. Unter anderem auch, weil sie sich Ende 2008 auflösen würde und es zu schade wäre, diese Band nie auf dem Festival gehabt zu haben. Gesagt, getan! Stumpen und Co erschienen trotz ellenlanger Staus auf Deutschlands Autobahnen pünktlich und gut gelaunt, machten einen überaus professionellen Soundcheck ohne großartige Verzögerungen und legten gleich los wie die Feuerwehr. Bemerkenswert die Ansprachen in Richtung Publikum. Nur so kann man einen müden Haufen, der über drei Tage volle Pulle gefeiert hat, noch mal dazu bewegen, das letzte aus sich heraus zu holen. Und dann, wenn alle endlich richtig wach sind, die Leute mit Gemüse durch die Häckselmachine beschießen. Das hat einfach Stil!

 

So muss es sein und so muss es leider dann auch enden. Für Knorkator und für diesen Bericht!

Danke, dass ihr alle da wart, wir freuen uns auf das vierte Eier mit Speck Festival am 24.07 – 26.07. 2009

 

Tappi im Namen aller Speckies

Weiterhin möchten wir uns an dieser Stelle noch mal ganz herzlich bei unseren vielen, ehrenamtlichen Helfern bedanken, ohne die so ein Festival nicht möglich wäre. Wir hoffen, wir haben euch nicht zu sehr genervt und ihr habt ordentlich Spaß gehabt.

Und natürlich danken wir all unseren kleinen und großen Sponsoren und allen, die uns mit Rat und Tat oder verdammt guten Preisen zur Seite standen und stehen: Brauerei Diebels, Kaiser's Tengelmann AG, Volksbank Viersen, Spedition Sturm, EGN, Gebrüder Gehlen, Rockline Issum, Camping Hamanns, Stadt Viersen; Metallbau Fuchs, Metallbau Bender, Schreinerei Ehlen, M-Store Krefeld, Wurst Audio, Boels, Ministry Of Light, Fairage, Getränke Weyers, Yoganettwork Viersen, Schreinerei Heines, Buntland Ink, Music Academy Viersen, Theater Krefeld Mönchengladbach, Hindenburg, Gästehaus Sittard, Kaisermühle, Subway Viersen, Michael Kaas, Medienspezialisten, Digitalpiraten, Hard Brock Store.

 

 

 
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